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          Akustik und Antifaschismus

Wir versuchen die Geschichte des Areals am Hochwasserbassin als Lager für Zwangsarbeiter*innen der Hamburger Wasserwerke zur NS-Zeit aufzuarbeiten und möchten sie durch künstlerische Formate erfahrbar machen. Mit akustischen Mitteln wie Soundinstallationen und Musikperformances sowie Videos zu historischen und gegenwärtigen Themen möchten wir die Auseinandersetzung von Besucher*innen mit der Alltäglichkeit des Verbrechens während der NS-Zeit anregen und zugleich die Frage aufwerfen, welche Bedeutung die damalige Nutzung für gegenwärtige und künftige Nutzungen eines Orts haben kann. In welchem Sinne „liegt“ die Geschichte auf einem Ort; inwiefern bleibt eine frühere Nutzung in ein Gebäude eingeschrieben? Inwieweit wirkt sie sich auf die gegenwärtigen Nutzungen auf dem Gelände aus? Wie kann das vermeintlich Vergangene in einer zeitgemäßen und künstlerischen Form sichtbar und erfahrbar werden?

Auch möchten wir humanistische und demokratische Kultur stärken, rassistischen Tendenzen in der Gesellschaft entgegenwirken sowie autoritäre Denkmuster durch geistige Freiheit unterspülen.

Historie des Ortes

Das Areal am Hochwasserbassin liegt in Hamburg-Hammerbrook (zwischen der Süderstraße 112-114 und dem Bullerdeich) und war ursprünglich ein Betriebshof der Hamburger Wasserwerke. Während des zweiten Weltkriegs wurde es als eines von rund 1.100 Zwangsarbeitslagern in Hamburg genutzt. Mehrere Hundert Kriegsgefangene waren hier inhaftiert und mussten 1943/45 für die Hamburger Wasserwerke arbeiten (vgl. Templin 2016: 250ff.). Hammerbrook war damals ein dicht bebauter und besiedelter Stadtteil, in dem mehrere zehntausend Menschen lebten, darunter viele (Hafen-)Arbeiter*innen. Durch die Bombardierung Hamburgs im Sommer 1943 (Operation Gomorrha) wurde die Gegend fast vollständig zerstört; das Gelände lag im sog. Feuersturm. Die straßenseitigen Gebäude an der Süderstraße 112 und 114 (in den 1890gern sowie 1937 gebaut) zählen zu den wenigen, die den Krieg und den Wiederaufbau des Stadtteils als Bürostandort überstanden.

Heutige Nutzungen

Die noch erhaltenen Gebäude werden seit mehreren Jahren zu kulturellen und künstlerischen Zwecken genutzt (Ateliers, Studios, Veranstaltungen etc.). Neben der bildenden Kunst spielt dabei Musik eine wichtige Rolle. Es gibt einen Veranstaltungsort (Südpol), ein Schallplattenpresswerk (Ameise) sowie Studios und Ateliers von Musiker*innen und Kreativschaffenden.

Musik als Medium für Gedenken und Reflexion

Ein Aspekt, dem wir uns auf verschiedene Weise widmen möchten, sind moderne Formen der Erinnerung und ihre Realisierung. Erinnern ist ein dynamischer, sich verändernder Prozess, der sich der Festschreibung durch Gedenkschilder oder Plaketten entzieht und immer wieder angeregt und aktualisiert werden sollte. Wir möchte das Spannungsfeld aus dynamischer Erinnerungskultur und der Beständigkeit des Bezugsobjekts ausleuchten. Unser besonderes Interesses gilt klanglichen Ansätzen und musiktheoretischen Zugängen zum Thema, etwa zu "entarteter Musik"; neue Musik, musikalische Elemente in Faschismus, NS-Kultur und Krieg sowie in Widerstandsbewegungen; antifaschistische Ansätze zu Klang, Rhythmik und Tonalität.

Arbeitsweisen

Die thematischen Schwerpunkte unserer Arbeit sind Faschismus und Rassismus, Zwangsarbeit, Krieg sowie Erinnerungskultur. Mit diesen möchten wir uns aus verschiedenen Perspektiven auseinandersetzen. Im Wissen, dass die Themen komplex sind und vielfach keine einfachen Antworten zulassen, arbeiten wir undogmatisch, experimentell und pluralistisch. Zu den Formaten zählen Vorträge und Diskussionen, Ausstellungen, Konzerte, Performances, partizipative Veranstaltungen, Skulpturen und Installationen. Insbesondere möchten wir in Abstimmung mit allen Akteur*innen vor Ort künstlerische Wege und Formate des Erinnerns finden. Auch soll ein Programm für Künstlerinnen, v.a. aus den von Zwangsarbeit betroffenen Ländern, geschaffen werden, welches ihnen Aufenthalte in den Studios vor Ort ermöglicht um sich mit der Geschichte des Ortes und den Themen des Arbeitskreises zu beschäftigen.